Allmendenutzung im Wald-Offenland-Mosaik

Das Naturschutzgebiet "Wankumer Heide" wurde im Mittelalter als Allmende genutzt. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche war also nicht in Parzellen aufgeteilt, sondern wurden von der Bevölkerung gemeinschaftlich genutzt. Die Bewirtschaftung fand in Form einer extensiven Beweidung statt, die artenreiche Heideflächen förderte. Ziel war es, die bis heute verbliebenen Heideflächen zu erhalten und auszuweiten.



Die ehemalige Raketenstation in der Wankumer Heide
Die ehemalige Raketenstation in der Wankumer Heide

Nutzungsintensivierung verursachte Schwund an Heideflächen

Nach der extensiven Nutzung von Flächen im Mittelalter folgte eine Intensivierung der Bewirtschaftung im 19. und 20. Jahrhundert. Die meisten Heide- und Moorflächen wurden mit Kiefern, Fichten, Stroben (Nadelbäume) oder Hybridpappeln aufgeforstet. Dazwischen haben sich nur einige wenige Heideflächen in der Wankumer Heide erhalten, die aber bis heute ein sehr wertvolle Artinventar aufweisen.




Gagelstrauch, Foto: Wende
Gagelstrauch, Foto: Wende

Wertvolle Arten
Dabei handelt es sich um strukturreiche Sandheiden, Feuchtheiden und Sandmagerrasen. Als typische Pflanzen sind beispielsweise Besenheide, Englischer Ginster, Lungenenzian, Braunes Schnabelried und Moorbärlapp zu nennen. Charakteristische Tierarten sind hier unter anderem Buntbäuchiger Grashüpfer, Waldeidechse, Heidelerche und Gartenrotschwanz. Nach Westen schließen sich die Oberläufe von Schürkesbeek und Römerbach an, zwei über weite Strecken naturbelassene Moorbäche mit vermoorter Aue mit Gagel, Torfmoosdecken, Großseggenriedern, Bachneunauge und Waldschnepfe.





Plaggen der StreuschichtPlaggen der Streuschicht

Die Maßnahme:
Im Rahmen des Projekts "Heidebeweidungsverbund eines Wald-Offenland-Mosaiks im Sinne einer Allmendenutzung in der Wankumer Heide" wurden drei Flächen im Schutzgebiet abgeplaggt und in die ursprüngliche Nutzung mit extensiver Bewirtschaftung überführt. Die isolierten Lebensräume sollen durch Entwicklungsmaßnahmen optimiert und über ein Biotopverbundsystem wieder vernetzt werden. In der ersten Projektphase (Start 2007) wurden auf den Entwicklungsflächen und den Verbundkorridoren die nicht bodenständigen und naturfernen Nadelholz- und Pappelforste einschlagen, soweit dies nicht bereits durch den Sturm Kyrill geschehen war. Das Kopfholz und die Nadelstreu wurden durch Abplaggen entfernt.




Ausschieben eines HeidetümpelsAusschieben eines Heidetümpels

Weitere Arbeiten im Rahmen des Projekts
In den Bachauen erhält durch Beseitigen von Pappelkopfholz sowie teilweises Mulchen und Abschieben die konkurrenzschwache Moorvegetation wieder eine Entwicklungsmöglichkeit. Begradigte Bachabschnitte sind durch fraktioniertes Anstauen und Mäanderinitialisierung wieder in einen naturnahen Zustand versetzt worden. Zusätzlich werden zwei Sohlgleiten in den Bachlauf eingebracht, um die Sohle wieder zu erhöhen.


Extensive Beweidung als nachhaltige Methode

Die dauerhafte Sicherung dieser Flächen gewährleistet die Biologische Station über die Wiederaufnahme einer extensiven Beweidung als nachhaltige und kostengünstige Methode gewährleistet (2. Projektphase, seit 2009). Dazu ist das gesamte Verbundsystem in drei Abschnitte mit jeweils 12-15 Hektar eingezäunt worden. Nach der Sperrung von Durchgangswegen wurde eine durchgängige Beweidung ermöglicht. Zur Zeit werden die Flächen ganzjährig mit Koniks beweidet und zusätzlich im Frühjahr und Herbst mit einer Moorschnuckenherde abgehütet.


Auch die Öffentlichkeitsarbeit ist Teil des Projekts

Zur Stabilisierung der freigestellten Lebensräume ist für die ersten Jahre eine jährliche mechanische Pflege erforderlich. Durch Mahd von Pfeifengras und Adlerfarn, Beseitigen von Gehölzanflug und kleinflächiges Nachplaggen verfilzter Grasflächen erhält die schwächerwüchsige Moor- und Heidevegetation eine bessere Chance zur optimalen Entwicklung. Begleitet wird das Projekt durch Öffentlichkeitsarbeit zur Information der Erholungssuchenden. So wurde an einer Heidefläche eine barrierefreie Besucherplattform errichtet und im Gebiet wurden mehrere Schautafeln aufgestellt.

Die Umsetzung des Projekts wurde möglich dank der Förderung durch das LVR-Netzwerk Umwelt - Biologische Stationen Rheinland.



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